Über die Anmut
Einst fragte ein Weiser einen anderen Weisen: Was soll ich tun? Darauf der andere Weise: Das kannst du selbst herausfinden. Doch der eine fragte den anderen wieder: Ich weiß, dass du die Antwort kennst. Warum sagst du sie mir dann nicht? Und der andere antwortete wieder: Das kannst du selbst herausfinden.
Da der erste Weise vom zweiten Weisen keine Antwort bekam, ging er fort, um woanders nach einer Antwort zu suchen.
All den Menschen, die er traf, stellte er unermüdlich seine Frage. Manchmal bekam er Antwort, manchmal nicht. Doch keine der Antworten war so, dass er sie als richtig erkennen konnte.
Einige lachten über seine Frage. Manche hätten ihm auch gern geholfen, sie wussten aber nicht, wie sie das anstellen sollten. Auch erschienen ihm einige Antworten weise. Doch keine dieser Antworten war seine eigene.
Er verbrachte viel Zeit damit, seine eigene Antwort bei anderen zu suchen. Doch niemand war in der Lage, ihm solch eine Antwort zu geben.
Eines Tages jedoch traf er bei seinem Suchen auf ein Kind, das verträumt vor sich hin spielte. Er sah in die leuchtenden Augen dieses Kindes, sah das von Hingabe rosig durchglühte Gesicht, sah die andächtige Haltung des Kindes vor der mit viel Liebe und Geduld erbauten Sandburg, sah seine liebevoll streichelnden Hände – und da geschah es, dass er seine eigene Antwort plötzlich wusste. Die einfache und völlige Hingabe, der spielend-ernsthafte Hauch, den dieses Kind umgab, beantworteten plötzlich all seine Fragen.
Er setzte sich nieder zu dem Kind und spürte sofort das Leuchten und die Wärme, die dieses Wesen umgab. Sogleich machte es ihm Platz, damit er sich neben dem Lockenkopf im Sand niederlassen konnte. Es stellte keine Fragen, wer er sei, woher er komme und was er wolle. Es nahm seine Gegenwart ohne jede Frage an. Es gab einfach ab, indem es seine Freude mit ihm teilte.
Es ist Freude, geteilte Freude – es ist Hingabe – ging es durch seinen Kopf. Dieses Kind hatte niemanden gefragt, was es tun sollte, sondern hatte einfach eine Sandburg gebaut. Es war sicher, dass es richtig und in Ordnung war, eine Sandburg zu bauen. Und es konnte sich über sein gelungenes Werk freuen.
Lächelnd stand er auf, blickte noch einmal in dieses andächtige Gesicht, streichelte die blonden Locken, ließ sich von diesem strahlenden Wesen umarmen und küsste es zum Abschied sanft auf die Stirn. Ein Kind – sie sind alle Kinder – große und kleine.
Immer noch lächelnd machte er sich auf den Heimweg. Er wollte dem anderen Weisen von seiner großen Entdeckung berichten. Freude stand noch immer auf seinem Gesicht, als er bei ihm ankam. Er wollte reden und berichten; viele Worte waren ihm unterwegs eingefallen, die er ihm sagen wollte.
Doch dann stand er vor ihm: Und es bedurfte keines Wortes mehr, keiner Erklärung. Lächelnd verbeugten sie sich voreinander. Und erstmalig nahm der Zurückgekehrte die Anmut und die Würde wahr, die den anderen Weisen umgab.
Im Grund sind sie alle weise, diese großen und kleinen Kinder. Sie haben sich nur einige Zeit nicht genügend bemüht, weise und wahr zu sein.
Noch einmal erschien dieses freundliche Wesen vor dem inneren Auge des Heimgekehrten. Diesem Kind wäre niemals die Idee gekommen, für seine harte Arbeit, für all die Anstrengung eine Belohnung zu erwarten. Es hatte jede erforderliche Arbeit freudig auf sich genommen, um seine Absicht in die Tat umzusetzen.
Und all jene großen Kinder, die nur um einer Belohnung willen etwas tun, wie weit sind jene doch von der Größe dieses starken und zugleich sanften Wesens entfernt.
Der innere Friede, der in der Nähe dieses Kindes in ihm aufgestiegen war – ja, der war es, den er den großen Kindern weitergeben wollte. Und dieser Friede war frei von jeder Forderung nach Bewunderung oder Belohnung: Beides war einfach da. Beides war gelebte Freude.
Eine Freude, deren Ursprung und Ausdruck nicht menschlicher und irdischer Natur war...
Da der erste Weise vom zweiten Weisen keine Antwort bekam, ging er fort, um woanders nach einer Antwort zu suchen.
All den Menschen, die er traf, stellte er unermüdlich seine Frage. Manchmal bekam er Antwort, manchmal nicht. Doch keine der Antworten war so, dass er sie als richtig erkennen konnte.
Einige lachten über seine Frage. Manche hätten ihm auch gern geholfen, sie wussten aber nicht, wie sie das anstellen sollten. Auch erschienen ihm einige Antworten weise. Doch keine dieser Antworten war seine eigene.
Er verbrachte viel Zeit damit, seine eigene Antwort bei anderen zu suchen. Doch niemand war in der Lage, ihm solch eine Antwort zu geben.
Eines Tages jedoch traf er bei seinem Suchen auf ein Kind, das verträumt vor sich hin spielte. Er sah in die leuchtenden Augen dieses Kindes, sah das von Hingabe rosig durchglühte Gesicht, sah die andächtige Haltung des Kindes vor der mit viel Liebe und Geduld erbauten Sandburg, sah seine liebevoll streichelnden Hände – und da geschah es, dass er seine eigene Antwort plötzlich wusste. Die einfache und völlige Hingabe, der spielend-ernsthafte Hauch, den dieses Kind umgab, beantworteten plötzlich all seine Fragen.
Er setzte sich nieder zu dem Kind und spürte sofort das Leuchten und die Wärme, die dieses Wesen umgab. Sogleich machte es ihm Platz, damit er sich neben dem Lockenkopf im Sand niederlassen konnte. Es stellte keine Fragen, wer er sei, woher er komme und was er wolle. Es nahm seine Gegenwart ohne jede Frage an. Es gab einfach ab, indem es seine Freude mit ihm teilte.
Es ist Freude, geteilte Freude – es ist Hingabe – ging es durch seinen Kopf. Dieses Kind hatte niemanden gefragt, was es tun sollte, sondern hatte einfach eine Sandburg gebaut. Es war sicher, dass es richtig und in Ordnung war, eine Sandburg zu bauen. Und es konnte sich über sein gelungenes Werk freuen.
Lächelnd stand er auf, blickte noch einmal in dieses andächtige Gesicht, streichelte die blonden Locken, ließ sich von diesem strahlenden Wesen umarmen und küsste es zum Abschied sanft auf die Stirn. Ein Kind – sie sind alle Kinder – große und kleine.
Immer noch lächelnd machte er sich auf den Heimweg. Er wollte dem anderen Weisen von seiner großen Entdeckung berichten. Freude stand noch immer auf seinem Gesicht, als er bei ihm ankam. Er wollte reden und berichten; viele Worte waren ihm unterwegs eingefallen, die er ihm sagen wollte.
Doch dann stand er vor ihm: Und es bedurfte keines Wortes mehr, keiner Erklärung. Lächelnd verbeugten sie sich voreinander. Und erstmalig nahm der Zurückgekehrte die Anmut und die Würde wahr, die den anderen Weisen umgab.
Im Grund sind sie alle weise, diese großen und kleinen Kinder. Sie haben sich nur einige Zeit nicht genügend bemüht, weise und wahr zu sein.
Noch einmal erschien dieses freundliche Wesen vor dem inneren Auge des Heimgekehrten. Diesem Kind wäre niemals die Idee gekommen, für seine harte Arbeit, für all die Anstrengung eine Belohnung zu erwarten. Es hatte jede erforderliche Arbeit freudig auf sich genommen, um seine Absicht in die Tat umzusetzen.
Und all jene großen Kinder, die nur um einer Belohnung willen etwas tun, wie weit sind jene doch von der Größe dieses starken und zugleich sanften Wesens entfernt.
Der innere Friede, der in der Nähe dieses Kindes in ihm aufgestiegen war – ja, der war es, den er den großen Kindern weitergeben wollte. Und dieser Friede war frei von jeder Forderung nach Bewunderung oder Belohnung: Beides war einfach da. Beides war gelebte Freude.
Eine Freude, deren Ursprung und Ausdruck nicht menschlicher und irdischer Natur war...
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