Aikido Philosophie
Aikido ist eine Kampfkunst, die lehrt, vollständig mit einem Angriff zu verschmelzen, um den Angreifer aus dem Gleichgewicht zu bringen und dann eine neutralisierende Technik anzuwenden. Manche glauben, man könne Aikido als rein spirituelle Disziplin studieren, indem man lernt, seine spirituelle Energie mit dem Universum zu vereinen, um „eins mit der Natur" zu werden. Ebenso ist es möglich, Aikido nur als Kampftechnik zu betreiben. Für die meisten liegt das Aikidotraining irgendwo zwischen diesen Extremen.Geschichte und Philosophie
Aikido ist in seiner gegenwärtigen Form eine relativ junge Innovation innerhalb der Kampfkunsttradition. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan von Morihei Ueshiba (1883—1969) entwickelt, der bereits als Kind von seinem Vater, Yoroku, in die Kampfsportarten eingeführt worden war. Er erlernte einige Kampfkünste, so etwa verschiedene Stile von Jiu-Jitsu, Kenjutsu und die Kunst des Speeres. 1912 übersiedelte Morihei nach Hokkaido, wo eine zufällige Begegnung mit Sokaku Takeda sein Leben veränderte.
Takeda war Meister des Daito Ryu-Aiki Ju-Jutsu, einer Kampfkunst, die seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. in der Militärhierarchie weitergegeben und von Mitgliedern des Aizu-Clans formalisiert wurde, bis man sie als Oshikiuchi oder „schlagende Kunst" kannte. Der junge Ueshiba fühlte sich von der grimmigen Haltung dieses kleinen Mannes angezogen und studierte bei ihm bis 1919. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er in seine Heimat Tanabe zurück und lernte Onisaburo Deguchi kennen, den charismatischen Begründer einer esoterischen Religion namens Omoto-Kyo. Sechs Jahre verbrachte er als sein Schüler auf Reisen durch Asien.
1927 gründete Morihei die Kobukan-Dojo in Tokio und unterrichtete eine Mischung aus den von Takeda gelernten Kampfkünsten und dem spirituellen Glauben des Deguchi. Die neue Disziplin nannte er zunächst Ueshiba Aiko-Budo und schließlich Aikido. Dieses Wort ist eine Kombination dreier Konzepte: Ai bedeutet „Harmonie", Ki bedeutet „Geist" und Do bedeutet „Weg". In spirituellem Sinne bedeutet dies, den individuellen Geist oder Ki mit dem Geist der Natur zu harmonisieren. Im Dojo heißt das, mit einem Angriff zu harmonisieren, ihn zu dem Punkt zu führen, an dem er sich selbst erschöpft, und ihn dann mit einem Wurf, einer Sperre oder einer Arretierung zu neutralisieren.
Wie viele andere Kampfkünste gilt auch Aikido nicht nur als Selbstverteidigungssystem, sondern auch als Weg, sich selbst zu verbessern. Heute gibt es verschiedene Systeme davon, doch das traditionelle Aikido kennt weder Turniere noch Wettkämpfe. Weil Körperkraft keine Voraussetzung ist, stellt Alter auch kein Hindernis dar. Ueshiba zufolge ist das Ziel von Aikido nicht, andere zu besiegen, sondern die eigenen negativen Eigenschaften zu bekämpfen, die dem Verstand innewohnen und seine Funktion behindern.
Was ist Aikido?
Das klassische chinesische Yin-Yang -Zeichen ist ein Symbol dafür, dass alle Phänomene durch antagonistische, jedoch komplementäre Gegensätze bestimmt werden, die zwei Hälften eines Ganzen bilden. Doch die beiden Hälften sind nicht völlig gegensätzlich, denn Sie tragen jeweils Elemente des anderen in sich — der schwarze Punkt in der weißen Hälfte, der weiße Punkt in der schwarzen Hälfte. Dieser esoterische Symbolismus soll erklären, dass sich alles Leben und die Natur ständig im Fluss befinden.
Wenn Sie von einer Kraft (Yang) angegriffen werden und dieser Ihre eigene Kraft (Yang) entgegensetzen, so entsteht ein Zusammenstoß von Kräften, der zu Disharmonie führt und den die stärkste Kraft gewinnt. Wenn Sie jedoch der Kraft mit einer aufnehmenden Bewegung (Yin) begegnen und sie zum Ungleichgewicht führen, bevor Sie selbst Kraft anwenden, stellen Sie in Wahrheit Harmonie wieder her. Dies ist die Aikido zugrundeliegende Logik und Philosophie.
Bei Aikido wird versucht, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten, sondern mit dem Gegner zu harmonisieren und ihn zu behindern. Aikido ist in vielerlei Hinsicht einzigartig unter den Kampfsportarten: Die meisten Techniken beruhen darauf, dass der Angreifer zuerst aktiv wird, während die Aikido-Techniken meist auf Bewegungsunfähigkeit und Würfe abzielen, indem man Energie, Impuls und Aggression des Gegners verwendet. Viele Bewegungen stammen aus dem japanischen Schwert- und Speerkampf. Der Einsatz von Bokken (Übungsschwert) und Jo (Stab) soll dem Übenden helfen, Verständnis und Fertigkeit zu bilden.
Aikido lehrt einfache und multiple Verteidigung. Es umfasst das Abnehmen von Messer, Schwert und Stab, und sogar die Abwehr aus der knienden Position heraus. Unterschiede in Größe, Gewicht, Stärke oder Alter sind aufgehoben, weil man lernt, das innere Ki (Energiefluss) einzusetzen. Waffentraining mit Bokken und Jo verweisen auf das hohe Alter der Disziplin und fördert die Körperbeherrschung.
Es wird betont, dass Aikido ein Budo ist - ein kriegerischer Weg. Jede Technik wird mit totaler Hingabe trainiert, als ob Ihr Leben von deren Erfolg abhinge, denn nur so kann der wahre Geist des Budo zu Tage treten. Das heißt nicht, dass das Training hart oder gewalttätig sein muss: Es ist möglich, physisch nachgiebig zu bleiben und trotzdem die Macht zu haben, eine Konfrontation zu beherrschen.
Training
Durch kooperatives Training mit einem Partner kann man sogar potenziell tödliche Techniken ohne Risiko üben, doch aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich stets professionelle Anleitung. Ihr Streben sei stets gegenseitiger Respekt sowie sorgfältige Erwägung des Gelernten und seiner Konsequenzen. Es gibt keine Kurzverfahren oder einfachen Wege zur Beherrschung von Aikido. Können ist bloß eine Frage von ausdauerndem und hingebungsvollem Training, wie in vielen Kampfsportarten. Niemand wird in wenigen Monaten zum Experten.
Auch wenn es verschiedene Aikido-Stile gibt — wie Tomiki- oder Sportaikido, bei dem man Gummimesser verwendet und die Praktikanten Punkte machen - war der Gründer, Morihei Ueshiba, strikt gegen jede Form von Wettbewerb.
Aikido-Stile
Heute gibt es mehrere Hauptstile von Aikido. Während Ueshiba die Kunst, die er schuf, ständig verfeinerte und veränderte, verließen ihn einige Schüler, um ihre eigenen Ideale zu verfolgen. So schuf Meister Gozo Shioda den Yoshinkan-Stil, der durch kurze, knappe Bewegungen und kraftvolle Gelenkstechniken gekennzeichnet ist. Kenji Tomiki kreierte das bekannte Sportaikido, bei dessen Wettkämpfen man Gummimesser einsetzt. Minoru Mochizuki verschmolz Aikido erfolgreich mit anderen Kampfsportarten innerhalb des Internationalen Kampfsportartenverbandes, und Koichi Tohei begründete Shin-Shin Toitsu Aikido, das sich auf den Ki-Aspekt von Aikido konzentriert. All diese Männer lernten bei Ueshiba, und doch entwickelte jeder seine eigenen Vorstellung von dieser Disziplin.
Das Graduierungssystem
Das System besteht in Aikido aus sechs Schülergraden (Kyu) von sechs bis eins, nach denen man zum l. Dan berechtigt ist (erster Grad des Schwarzen Gürtels), dann zum 2. Dan, 3. Dan und so weiter. Diese Graduierungen beruhen auf einem nationalen Lehrplan, wobei die Abstände dazwischen von den Clubs bestimmt werden.
Traditionell gibt es keine bunten Gürtel, außer für Kinder. Dies beruht auf Direktiven des Hombu (Hauptquartier) in Japan. Weil es keine Unterteilungen nach Gewicht oder Stärke gibt, können Männer, Frauen und Kinder gemeinsam trainieren, obwohl einige Techniken aus Sicherheitsgründen aus dem Kindertraining ausgesondert werden.
Anfänger lernen zuerst, wie man richtig fällt und die Effekte der verschiedenen Techniken absorbiert, so dass sie mit völliger Hingabe vollzogen werden können. Als nächste Stufe folgen freistehende Körperbewegungen, bei denen Schüler das Verlagern von Gewicht, Balance und ähnliche Aspekte der Disziplin erlernen. Schließlich werden die Techniken selbst unterrichtet, wobei der Schwierigkeitsgrad von der Entwicklungsstufe jedes einzelnen abhängt.
Vorteile von Aikido
Menschen erlernen Aikido aus den unterschiedlichsten Gründen: Um körperlich fit zu werden, zur Selbstverteidigung oder um die japanische Kultur besser zu verstehen. Jeder einzelne entscheidet, welche Facette der Disziplin er betonen möchte. Außer Kraft, Kondition und Geschmeidigkeit aufzubauen, lernen Schüler auch, eine innere Kraft zu mobilisieren, die weitaus größer ist als die bloße Muskelkraft, und diese willentlich einzusetzen. Auch die Tatsache, dass man Bewegungen praktiziert, die aus Japans feudaler Vergangenheit stammen, kann mental stimulierend wirken.
Um die Koordination von Verstand und Körper zu fördern, werden Atemtechniken erlernt. Schüler lernen auch andere japanische Praktiken kennen, wie Shiatsu (Fingertherapie), eine Form von Ganzkörpermassage, und Iaido (japanischer Schwertkampf). Beide Disziplinen ergänzen Aikido und werden manchmal gemeinsam unterrichtet.
Aikido bietet viele Vorteile, die die Gesundheit und das Wohlbefinden steigern, z. B.:
• Bildung von Kraft, Kondition und Geschmeidigkeit
• Stärkung der positiven mentalen Einstellung und Disziplin
• Förderung abwehrender Bewegungen gegen Aggression
• Wachsamkeit gegenüber Gefahren
• Verbesserung der Körperreflexe
• geistige Ruhe
• mehr innere Energie und Stärke
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