11.30.2006

Links

Aikido

Graphikprogramm Gimp

Künstliche Computerwelten

Bewusstsein und Wirklichkeit

Matrix

We will rock you

Boris Valleyo
Fotographie
Perfekte Bildmontagen

Vortrag über Wasser und Salz

Muster der Unendlichkeit

Holofeeling
Vorträge




Wichtiger Hinweis zu allen Links: Das Landesgericht hat entschieden, dass man durch anbringen von Links, die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten der gelinkten Seiten auf unserer Internetseite.

Labels:

Ich weiss nicht

Ich weiß nicht,
warum ich mich umgedreht habe.
Es gab keinen Grund.
Niemand war mir entgegenkommen,
dem ich nachschauen wollte.
Es regnete,
ich wollte nach Hause,
und doch drehte ich mich um.
Warum,
weiß ich nicht.
Es gibt dafür keine Erklärung wie:
aus A folgt B und aus B folgt C.
Ich hab's getan.
Vielleicht ist dieser Text der Grund,
was natürlich eine abenteuerliche Verdrehung
von Ursache und Wirkung wäre.
Aber wie soll ich das erklären,
wenn es keinen Grund gibt sich umzudrehen,
und ich dreh mich um,
und ich sehe den perfektesten
Regenbogen, den ich je gesehen habe.

Rechtschreibreform

Erster Schritt:
Wegfall der Großschreibung. einer sofortigen einführung steht nicht mehr im weg, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

zweiter schritt:
wegfall der dehnungen und schärfungen. diese masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdopelung hat onehin nimand kapirt.

driter schrit:
v und ph ersetzt durch f, z ersetzt durch s, sch verkürzt auf s. das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasine und setsmasinenen fereinfachn sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden.

firter srit:
g, c und ch ersetst durch k, j und y ersetst durch i. ietst sind son seks bukstaben auskesaltet, di sulseit kann sofort fon neun auf swei iare ferkürtst werden, anstat aktsik prosent rektsreibunterikt könen nütslikere fäker wi fisik, kemi oder auk reknen mer kepflekt werden.

fünfter srit:
wekfal fon ä, ö, ü-seiken. ales uberflusike ist ietst auskemertst, di ortokrafi wider slikt und einfak. Naturlik benotikt es einike seit, bis diese fereinfakung uberal riktik ferdaut ist, fileikt ein bis swei iare. Anslisend durfte als nekstes sil di fereinfakung der nok swirikeren und unsinikeren kramatik anfisirt werden.

Die Seele

Als Nebel schwebe ich über schneebedeckte Gipfeln. Ihre Spitzen ragen aus mir heraus, während ich ihre kalten, steinigen Abhänge umfange. Ich verdunste von den Blättern von Billionen von Pflanzen und kehre in Form von Nieselregen und stürmischen Wolkenbrüchen wieder zur Erde zurück. Ich schwebe hoch über unserem Planeten, nehme die Erde unter mir wahr, und wenn Bewusstsein aus Freude über so viel Schönheit weinen kann, dann tue ich es gewiss.

Der Beat

Am Anfang war der Beat
und der Beat war bei Gott
und Gott war der Beat
Und der Beat ist der Puls des Lebens
Und der Beat ist Energie
Und Energie ist das Leben
das Universum und die Welt
Und der Beat erschuf den Menschen
Erschuf die Welt
Erschuf das Leben
und der Mensch hat nicht begriffen
das er selbst es ist
Und der Mensch kämpfte gegen den Beat
gegen die Energie
gegen das Leben
gegen Gott
gegen sich selbst
Das war der erste Tod
Und der Tod war die Spaltung
war die Trennung
war die Analyse
war das Denken
Und der Mensch verlor im Denken Gott
sich selbst und das Leben
Und er betete den Tod an
und diente ihm.
Aber der Mensch fühlte die Trennung vom Leben
und dieses Gefühl nannte er Schmerz
Und der Schmerz war der Beat
war der Puls des Lebens
und der Schmerz war das Zeichen
in das Fleisch gebrannt
damit er sich erinnerte wer er ist
auf seiner Reise durch Zeit, Raum und Materie.
Ja, am Anfang war der Beat
und der Beat war bei Gott
und Gott war der Beat
und alles was ist
ist gemacht aus dem Beat
Und der Beat ist die Bewegung aus der Stille
hinein in die Leere des Raums
Und das Nichts, die Stille, der Raum und der Beat sind eins
Und alles was ist besteht aus diesem Einen
Und der erste Schlag des Beats
der alles was ist
aus dem Nichts ins Leben rief
wurde genannt der große Urknall
Der Urknall war der erste Schlag im Beat vom Liedes des Lebens
Und dieses Lied vom Leben ist das älteste und einzige Lied das wirklich erklingt
Alle anderen Lieder sind aus ihm gemacht
und in Ihm enthalten
Und dieses Lied wird gesungen und gespielt von Ewigkeit zu Ewigkeit
Amen
Und alle Musik die ist, war und sein wird
ist geboren aus dem ersten Lied
dessen erster Schlag der Urknall war
der aber nicht nur der erste
sondern auch der letzte Schlag war
denn er befindet sich außerhalb jeglicher Zeit
Deswegen wird er genant der Erste und der Letzte
der Anfang und das Ende
denn jedes Ende ist ein neuer Anfang
und jeder Anfang ist ein neues Ende
von Ewigkeit zu Ewigkeit
vom Sein zum Nichtsein
Das ist das große Geheimnis
das der Verstand des Menschen nicht begreifen kann
Denn Denken ist Konzept
und Konzept ist Struktur
und Konzept und Struktur sind tot
aber der Beat ist Leben
der Beat ist Bewegung
der Beat ist Realität
der Beat ist Erfahrung
und Du bist der Beat
und der Beat ist Du
Im Herz des Beats allein ist Ruh
Im Zentrum allen Klangs ist Stille
dort wird geboren Gottes Wille
dort wird geboren der ewige Groove.

Spontiwelli

Lied Vom Kindsein

Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom,
und diese Pfütze das Meer.

Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins.

Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim fotografieren.

Als das Kind Kind war,
war es die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich ich und warum nicht du?
Warum bin ich hier und warum nicht dort?
Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
Ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und daß einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?

Als das Kind Kind war,
würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
und am gedünsteten Blumenkohl.
und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.

Als das Kind Kind war,
erwachte es einmal in einem fremden Bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele Menschen schön
und jetzt nur noch im Glücksfall,
stellte es sich klar ein Paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich Nichts nicht denken
und schaudert heute davor.

Als das Kind Kind war,
spielte es mit Begeisterung
und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
wenn diese Sache seine Arbeit ist.

Als das Kind Kind war,
genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
und so ist es immer noch.

Als das Kind Kind war,
fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
und jetzt immer noch,
machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
und jetzt immer noch,
hatte es auf jedem Berg
die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
und in jeden Stadt
die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
und das ist immer noch so,
griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einemHochgefühl
wie auch heute noch,
eine Scheu vor jedem Fremden
und hat sie immer noch,
wartete es auf den ersten Schnee,
und wartet so immer noch.

Als das Kind Kind war,
warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
und sie zittert da heute noch.


Peter Handke

Der Panther

Sein Blick ist vom vorübergehn der Stäbe
So müd geworden, daß er nichts mehr hält
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
Und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im aller kleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse an seinen Sohn Martin [April 1940]

Lieber Martin!

Ich lege Dir die letzte Fassung des neuen Gedichtes bei. Ja, das ist komisch: während die ganze Welt sich in Gräben und Bunkern etc. bereit hält, um unsre bisherige Welt vollends in Splitter zu schießen, war ich tagelang damit beschäftigt, dem kleinen Gedicht eine bessere Fassung zu geben. Es hatte zuerst vier Strophen und hat jetzt nur noch drei, und ich hoffe, es sei dadurch einfacher und besser geworden und habe nichts Wesentliches verloren. In der ersten Strophe störte mich die vierte Zeile schon von Anfang an, und beim öfteren Abschreiben für Freunde begann ich dann Zeile um Zeile und Wort um Wort zu beklopfen und zu prüfen, was entbehrlich sei und was nicht. Neun Zehntel meiner Leser merken es überhaupt nicht, ob das Gedicht diese oder jene Fassung hat. Von der Zeitung, die das Gedicht drucken wird, kriege ich, wenns gut geht, etwa zehn Franken dafür, einerlei ob es diese oder jene Fassung sei. Für die Welt ist eine solche Beschäftigung also ein Unsinn, etwas Spielerisches, Komisches, eher schon Verrücktes, und man kann sich fragen: wie kommt der Dichter dazu, sich um seine paar Verschen solche Sorgen zu machen und so die Zeit zu vertun ? Und man könnte antworten: erstens ist das, was der Dichter da tut, vermutlich zwar wertlos, denn es ist nicht wahrscheinlich, daß er grade eins von den ganz wenigen Gedichten gemacht habe, die nachher für 100 und 500 Jahre am Leben bleiben - aber dennoch hat dieser komische Mann etwas Besseres, etwas Unschädlicheres, Harmloseres und Wünschenswerteres getan als die Mehrzahl der Menschen heute tut. Er hat Verse gemacht und Worte aufs Schnürchen gereiht, aber er hat weder geschossen noch gesprengt, noch Gas gestreut, noch Munition fabriziert, noch Schiffe versenkt etc. etc. Und man könnte auch antworten: Daß der Dichter so seine Wörtchen klaubt und setzt und auswählt, mitten in einer Welt, die morgen vielleicht zerstört sein wird, das ist genau das Gleiche, was die Anemonen und Primeln und ändern Blümchen tun, die jetzt auf allen Wiesen wachsen. Mitten in einer Welt, die vielleicht morgen mit Giftgas überzogen ist, bilden sie sorgfältig ihre Blättchen und Kelche, mit fünf oder vier oder sieben Blumenblättchen, glatt oder gezackt, alles genau und möglichst hübsch.


Fußnote: Die letzte Fassung des Gedichtes "Flötenspiel" vom 3.4.1940

Flötenspiel

Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum
Ein Fenster leise schimmern ließ,
Und dort im unsichtbaren Raum
Ein Flötenspieler stand und blies.
Es war ein Lied so altbekannt
Es floß so gütig in die Nacht,
Als wäre Heimat jedes Land,
Als wäre jeder Weg vollbracht.
Es war der Welt geheimer Sinn
In seinem Atem offenbart
Und willig gab das Herz sich hin
Und alle Zeit ward Gegenwart.

Über die Anmut

Einst fragte ein Weiser einen anderen Weisen: Was soll ich tun? Darauf der andere Weise: Das kannst du selbst herausfinden. Doch der eine fragte den anderen wieder: Ich weiß, dass du die Antwort kennst. Warum sagst du sie mir dann nicht? Und der andere antwortete wieder: Das kannst du selbst herausfinden.

Da der erste Weise vom zweiten Weisen keine Antwort bekam, ging er fort, um woanders nach einer Antwort zu suchen.

All den Menschen, die er traf, stellte er unermüdlich seine Frage. Manchmal bekam er Antwort, manchmal nicht. Doch keine der Antworten war so, dass er sie als richtig erkennen konnte.

Einige lachten über seine Frage. Manche hätten ihm auch gern geholfen, sie wussten aber nicht, wie sie das anstellen sollten. Auch erschienen ihm einige Antworten weise. Doch keine dieser Antworten war seine eigene.

Er verbrachte viel Zeit damit, seine eigene Antwort bei anderen zu suchen. Doch niemand war in der Lage, ihm solch eine Antwort zu geben.

Eines Tages jedoch traf er bei seinem Suchen auf ein Kind, das verträumt vor sich hin spielte. Er sah in die leuchtenden Augen dieses Kindes, sah das von Hingabe rosig durchglühte Gesicht, sah die andächtige Haltung des Kindes vor der mit viel Liebe und Geduld erbauten Sandburg, sah seine liebevoll streichelnden Hände – und da geschah es, dass er seine eigene Antwort plötzlich wusste. Die einfache und völlige Hingabe, der spielend-ernsthafte Hauch, den dieses Kind umgab, beantworteten plötzlich all seine Fragen.

Er setzte sich nieder zu dem Kind und spürte sofort das Leuchten und die Wärme, die dieses Wesen umgab. Sogleich machte es ihm Platz, damit er sich neben dem Lockenkopf im Sand niederlassen konnte. Es stellte keine Fragen, wer er sei, woher er komme und was er wolle. Es nahm seine Gegenwart ohne jede Frage an. Es gab einfach ab, indem es seine Freude mit ihm teilte.

Es ist Freude, geteilte Freude – es ist Hingabe – ging es durch seinen Kopf. Dieses Kind hatte niemanden gefragt, was es tun sollte, sondern hatte einfach eine Sandburg gebaut. Es war sicher, dass es richtig und in Ordnung war, eine Sandburg zu bauen. Und es konnte sich über sein gelungenes Werk freuen.

Lächelnd stand er auf, blickte noch einmal in dieses andächtige Gesicht, streichelte die blonden Locken, ließ sich von diesem strahlenden Wesen umarmen und küsste es zum Abschied sanft auf die Stirn. Ein Kind – sie sind alle Kinder – große und kleine.

Immer noch lächelnd machte er sich auf den Heimweg. Er wollte dem anderen Weisen von seiner großen Entdeckung berichten. Freude stand noch immer auf seinem Gesicht, als er bei ihm ankam. Er wollte reden und berichten; viele Worte waren ihm unterwegs eingefallen, die er ihm sagen wollte.

Doch dann stand er vor ihm: Und es bedurfte keines Wortes mehr, keiner Erklärung. Lächelnd verbeugten sie sich voreinander. Und erstmalig nahm der Zurückgekehrte die Anmut und die Würde wahr, die den anderen Weisen umgab.

Im Grund sind sie alle weise, diese großen und kleinen Kinder. Sie haben sich nur einige Zeit nicht genügend bemüht, weise und wahr zu sein.

Noch einmal erschien dieses freundliche Wesen vor dem inneren Auge des Heimgekehrten. Diesem Kind wäre niemals die Idee gekommen, für seine harte Arbeit, für all die Anstrengung eine Belohnung zu erwarten. Es hatte jede erforderliche Arbeit freudig auf sich genommen, um seine Absicht in die Tat umzusetzen.

Und all jene großen Kinder, die nur um einer Belohnung willen etwas tun, wie weit sind jene doch von der Größe dieses starken und zugleich sanften Wesens entfernt.

Der innere Friede, der in der Nähe dieses Kindes in ihm aufgestiegen war – ja, der war es, den er den großen Kindern weitergeben wollte. Und dieser Friede war frei von jeder Forderung nach Bewunderung oder Belohnung: Beides war einfach da. Beides war gelebte Freude.

Eine Freude, deren Ursprung und Ausdruck nicht menschlicher und irdischer Natur war...