Ästhetik
Diese Jungs operierten mit einer Emotion die sich Ästhetik nennt. Diese Emotion finden Sie nur an ganz wenigen Orten. Im Theater, in der Philharmonie, in Kunstausstellungen, in Galerien, Kabaretts, auf Konzertveranstaltungen, in Buchhandlungen, im Zirkus oder auf einem Dichtertreffen.
Ästhetik bedeutet eigentlich: "Lehre von den Gesetzen und Grundlagen des SCHÖNEN, besonders in Natur und Kunst" (Wahrig). Der Grund warum Ästhetik derart umdefiniert wurde, ist, daß die Ästhetik als wissenschaftliche Disziplin neben die Philosophie gestellt werden sollte.
Diese Definition ist nicht besonders fruchtbar, denn sie läßt zuviel Spielraum für Interpretation. Daher schauen wir nach der Herkunft des Wortes und finden folgendes: das Wort kommt aus dem griechischen: aisthetike, was soviel bedeutet wie EMPFINDEN (Wahrig) oder WAHRNEHMUNG (Duden), bzw. WAHRNEHMEN (Kluge)
Damit untermauern wir die Behauptung, daß es sich bei ÄSTHETIK tatsächlich um eine Emotion handelt. Emotionen sind natürlich Empfindungen - meist geistiger Natur. Ästhetik ist allerdings weit höher angesiedelt als irgendeine andere der üblichen menschlichen Emotionen. Deshalb hat sie die Eigenschaft, tiefer liegende Emotionen aufzuwühlen, zu bewegen und die emotionale Verfassung des Publikums zu verändern.
Ästhetik ist genau die Sache, welche Menschen magisch anzieht, ohne daß sie wissen was es genau ist. Sie wissen nur eines. Dort fühlen sie sich gut. An diesen Orten, oder in der Nähe des Künstlers herrscht eine unglaubliche Macht, eine konzentrierte Ansammlung von Kreativität und Inspiration, die wie ein leuchtender Funke unaufhaltsam überspringt und sich durch die dicksten Betonwände fortsetzt.
Da spielen diese drei Musiker in der Fußgängerzone; ein Gitarrist, ein Geiger und ein Sänger und ruck zuck stehen fünfzig Leute fasziniert da und vergessen, daß sie noch einen Toaster, Brot und Windeln kaufen wollten.
Sie lasen Bücher von Leo Tolstoi, sahen Bilder von van Gogh, hörten Musik von Michael Jackson oder eine kabarettistische Einlage von Dieter Hildebrandt. Sie fühlten sich sauwohl, schwebten im siebten Himmel und alles war leicht, locker und ohne Anstrengung. Plötzlich beschlossen Sie, daß Sie anfangen sollten zu malen, zu musizieren oder zu dichten. Haben Sie das schon mal erlebt ?
Da sitzt dieser versteinerte Beamte im Konzertsaal, einer der sein ganzes Leben nie eine emotionale Regung von sich gab und dessen Frau ihn drei Jahre lang genervt hatte, um ihn endlich dazu zu bewegen mit ihr in ein klassisches Konzert zu gehen.
Dieser Typ sitzt in der Philharmonie und hört ein dramatisches Stück von Tschaikowski. Die ganze Emotion, die ganze Ästhetik dieses Musikstücks dringt wie ein Laserstrahl in seinen steinharten Schädel und seine Maske zerschmilzt wie Butter in der Sonne. Nach dreissig Minuten ist er total aufgeweicht, springt begeistert auf und klatscht sich tränenüberströmt die Seele aus dem Leib. Was sagen Sie dazu ?
1970 spielten Deep Purple in der Londoner Royal Albert Hall zusammen mit den königlichen Philharmonikern. Da saßen all diese steifen Adeligen, Lords, die Eliteeinheit Englands mit ihren perfekten Manieren beisammen und plötzlich machten sie etwas, was sich überhaupt nicht gehörte.
Plötzlich verletzten sie schamlos ein ungeschriebenes Gesetz. Ian Paice spielte gerade ein Schlagzeugsolo. Mann, und diese gut erzogenen Jungs konnten sich nicht mehr halten - sie sprangen auf und klatschten stehend Ovationen.....während Paice immer noch trommelte. So was gehört sich nicht. In der Philharmonie klatscht man erst, wenn das Stück zu Ende ist. Was sagen Sie dazu ?
Wenn Sie diesen Effekt erreichen, dann haben wir wahre Kunst. Die Macht der Kunst, die Macht der Ästhetik und zwangsläufig haben wir hier eine Kommunikation die ankam und einen guten positiven Effekt verursachte, nämlich die Veränderung - um genauer zu sein - die Verbesserung einer emotionalen Verfassung. Bei Gemälden funktioniert es genauso. Sie stehen fasziniert davor, und können sich einfach nicht losreißen. Sie plündern Ihre Bankkonten und nehmen es mit nach Hause, auch auf die Gefahr hin, daß Sie die nächsten 4 Wochen nichts mehr zu essen haben.
Verstehen Sie was ich Ihnen sagen will ? Sie verfügen über eine Macht die sonst nirgendwo zu finden ist. Also benutzen Sie sie !
Michael Jackson lockt hunderttausende in die Stadien. Die Fans liegen ihm zu Füßen. Ich frage Sie also, wer außer einem Künstler könnte mehr Leute freiwillig dazu bewegen in ein Stadion zu laufen, Eintritt zu bezahlen und zuzuhören ? Niemand ! Selbst wenn sich hunderttausende bei einer Rede des amerikanischen Präsidenten oder des Papstes versammeln würden, sie würden aber nicht bezahlen, oder ?
Aber Sie als Dichter , was machen Sie mit Ihrer Kunst, Ihrer Ästhetik und Ihrer Macht ?
Wahrscheinlich locken Sie nicht 100.000 Leute ins Stadion wenn es heißt: "Paul Baumann liest heute Gedichte im New Yorker Madison Square Garden" . Nein, aber Sie können etwas tun was noch viel mehr Eindruck macht.
Sie gehen auf der Straße, sehen diese alte gebrechliche Frau, die schon zwei Weltkriege auf dem Buckel hat. Sie helfen ihr über die Straße, sehen in ihr angestrengtes, vielleicht ängstliches oder gequält lächelndes Gesicht und auf einmal wissen Sie, daß dieser Frau niemals irgend jemand auf die Schulter geklopft und gesagt hat: "Wissen sie, sie haben in ihrem Leben einen guten Job gemacht". Sie sehen diese vielen Falten hinter denen sich eine Unmenge an Erfahrung verbirgt und Sie fragen: "Wie geht es Ihnen ?" und sie wird sprechen..., Mann, sie wird Ihnen Geschichten erzählen, daß Sie nur noch mit den Ohren wackeln.
Was machen Sie? Wenn Sie ein anständiger Kerl - ein anständiger Dichter sind, dann sagen Sie zu ihr: "Liebe Frau ich möchte Ihnen ein Gedicht aufsagen, es ist für Sie ich widme es ihnen" Und dann dichten Sie ihr etwas - etwa so:
In all den Jahren dieser Zeit
warst zu tragen du bereit
das Leiden im Leben
trotz aller Beben
trotz aller Widrigkeiten
trotz aller Streitigkeiten
hast gegeben was du konntest
dein Bestes
mehr Rechtes als Schlechtes
und deshalb -kleinlaut -sage ich
ein Dichter der bewundert dich
freu´ dich heute, ohne Sorgen
freu´ dich auf den neuen Morgen.
Sie geben ihr das Copyright und alle Rechte und machen sich davon. Was glauben Sie was passiert ? Sie werden bei dieser Frau mehr Eindruck hinterlassen als John F. Kennedy in Berlin, wo er 1962 behauptete: "Ick bin een Berlina". Sie wird den Rest ihres Lebens allen Leuten von diesem unbekannten Dichter erzählen, der ihr in der Fußgängerzone ein Gedicht aufgesagt hat.
Warum ? Sie haben etwas gemacht was noch nie jemand vorher machte. Sie haben Sie bewundert ! Sie zerschmilzt wie ein Eiswürfel auf der heißen Herdplatte. Ein Dichter zum anfassen. Das ist ein Unterschied. Für 99,9999 % der Fans von Michael Jackson wird es ein ewiger Traum bleiben, ihm einmal die Hand zu schütteln.
Quelle
Ästhetik bedeutet eigentlich: "Lehre von den Gesetzen und Grundlagen des SCHÖNEN, besonders in Natur und Kunst" (Wahrig). Der Grund warum Ästhetik derart umdefiniert wurde, ist, daß die Ästhetik als wissenschaftliche Disziplin neben die Philosophie gestellt werden sollte.
Diese Definition ist nicht besonders fruchtbar, denn sie läßt zuviel Spielraum für Interpretation. Daher schauen wir nach der Herkunft des Wortes und finden folgendes: das Wort kommt aus dem griechischen: aisthetike, was soviel bedeutet wie EMPFINDEN (Wahrig) oder WAHRNEHMUNG (Duden), bzw. WAHRNEHMEN (Kluge)
Damit untermauern wir die Behauptung, daß es sich bei ÄSTHETIK tatsächlich um eine Emotion handelt. Emotionen sind natürlich Empfindungen - meist geistiger Natur. Ästhetik ist allerdings weit höher angesiedelt als irgendeine andere der üblichen menschlichen Emotionen. Deshalb hat sie die Eigenschaft, tiefer liegende Emotionen aufzuwühlen, zu bewegen und die emotionale Verfassung des Publikums zu verändern.
Ästhetik ist genau die Sache, welche Menschen magisch anzieht, ohne daß sie wissen was es genau ist. Sie wissen nur eines. Dort fühlen sie sich gut. An diesen Orten, oder in der Nähe des Künstlers herrscht eine unglaubliche Macht, eine konzentrierte Ansammlung von Kreativität und Inspiration, die wie ein leuchtender Funke unaufhaltsam überspringt und sich durch die dicksten Betonwände fortsetzt.
Da spielen diese drei Musiker in der Fußgängerzone; ein Gitarrist, ein Geiger und ein Sänger und ruck zuck stehen fünfzig Leute fasziniert da und vergessen, daß sie noch einen Toaster, Brot und Windeln kaufen wollten.
Sie lasen Bücher von Leo Tolstoi, sahen Bilder von van Gogh, hörten Musik von Michael Jackson oder eine kabarettistische Einlage von Dieter Hildebrandt. Sie fühlten sich sauwohl, schwebten im siebten Himmel und alles war leicht, locker und ohne Anstrengung. Plötzlich beschlossen Sie, daß Sie anfangen sollten zu malen, zu musizieren oder zu dichten. Haben Sie das schon mal erlebt ?
Da sitzt dieser versteinerte Beamte im Konzertsaal, einer der sein ganzes Leben nie eine emotionale Regung von sich gab und dessen Frau ihn drei Jahre lang genervt hatte, um ihn endlich dazu zu bewegen mit ihr in ein klassisches Konzert zu gehen.
Dieser Typ sitzt in der Philharmonie und hört ein dramatisches Stück von Tschaikowski. Die ganze Emotion, die ganze Ästhetik dieses Musikstücks dringt wie ein Laserstrahl in seinen steinharten Schädel und seine Maske zerschmilzt wie Butter in der Sonne. Nach dreissig Minuten ist er total aufgeweicht, springt begeistert auf und klatscht sich tränenüberströmt die Seele aus dem Leib. Was sagen Sie dazu ?
1970 spielten Deep Purple in der Londoner Royal Albert Hall zusammen mit den königlichen Philharmonikern. Da saßen all diese steifen Adeligen, Lords, die Eliteeinheit Englands mit ihren perfekten Manieren beisammen und plötzlich machten sie etwas, was sich überhaupt nicht gehörte.
Plötzlich verletzten sie schamlos ein ungeschriebenes Gesetz. Ian Paice spielte gerade ein Schlagzeugsolo. Mann, und diese gut erzogenen Jungs konnten sich nicht mehr halten - sie sprangen auf und klatschten stehend Ovationen.....während Paice immer noch trommelte. So was gehört sich nicht. In der Philharmonie klatscht man erst, wenn das Stück zu Ende ist. Was sagen Sie dazu ?
Wenn Sie diesen Effekt erreichen, dann haben wir wahre Kunst. Die Macht der Kunst, die Macht der Ästhetik und zwangsläufig haben wir hier eine Kommunikation die ankam und einen guten positiven Effekt verursachte, nämlich die Veränderung - um genauer zu sein - die Verbesserung einer emotionalen Verfassung. Bei Gemälden funktioniert es genauso. Sie stehen fasziniert davor, und können sich einfach nicht losreißen. Sie plündern Ihre Bankkonten und nehmen es mit nach Hause, auch auf die Gefahr hin, daß Sie die nächsten 4 Wochen nichts mehr zu essen haben.
Verstehen Sie was ich Ihnen sagen will ? Sie verfügen über eine Macht die sonst nirgendwo zu finden ist. Also benutzen Sie sie !
Michael Jackson lockt hunderttausende in die Stadien. Die Fans liegen ihm zu Füßen. Ich frage Sie also, wer außer einem Künstler könnte mehr Leute freiwillig dazu bewegen in ein Stadion zu laufen, Eintritt zu bezahlen und zuzuhören ? Niemand ! Selbst wenn sich hunderttausende bei einer Rede des amerikanischen Präsidenten oder des Papstes versammeln würden, sie würden aber nicht bezahlen, oder ?
Aber Sie als Dichter , was machen Sie mit Ihrer Kunst, Ihrer Ästhetik und Ihrer Macht ?
Wahrscheinlich locken Sie nicht 100.000 Leute ins Stadion wenn es heißt: "Paul Baumann liest heute Gedichte im New Yorker Madison Square Garden" . Nein, aber Sie können etwas tun was noch viel mehr Eindruck macht.
Sie gehen auf der Straße, sehen diese alte gebrechliche Frau, die schon zwei Weltkriege auf dem Buckel hat. Sie helfen ihr über die Straße, sehen in ihr angestrengtes, vielleicht ängstliches oder gequält lächelndes Gesicht und auf einmal wissen Sie, daß dieser Frau niemals irgend jemand auf die Schulter geklopft und gesagt hat: "Wissen sie, sie haben in ihrem Leben einen guten Job gemacht". Sie sehen diese vielen Falten hinter denen sich eine Unmenge an Erfahrung verbirgt und Sie fragen: "Wie geht es Ihnen ?" und sie wird sprechen..., Mann, sie wird Ihnen Geschichten erzählen, daß Sie nur noch mit den Ohren wackeln.
Was machen Sie? Wenn Sie ein anständiger Kerl - ein anständiger Dichter sind, dann sagen Sie zu ihr: "Liebe Frau ich möchte Ihnen ein Gedicht aufsagen, es ist für Sie ich widme es ihnen" Und dann dichten Sie ihr etwas - etwa so:
In all den Jahren dieser Zeit
warst zu tragen du bereit
das Leiden im Leben
trotz aller Beben
trotz aller Widrigkeiten
trotz aller Streitigkeiten
hast gegeben was du konntest
dein Bestes
mehr Rechtes als Schlechtes
und deshalb -kleinlaut -sage ich
ein Dichter der bewundert dich
freu´ dich heute, ohne Sorgen
freu´ dich auf den neuen Morgen.
Sie geben ihr das Copyright und alle Rechte und machen sich davon. Was glauben Sie was passiert ? Sie werden bei dieser Frau mehr Eindruck hinterlassen als John F. Kennedy in Berlin, wo er 1962 behauptete: "Ick bin een Berlina". Sie wird den Rest ihres Lebens allen Leuten von diesem unbekannten Dichter erzählen, der ihr in der Fußgängerzone ein Gedicht aufgesagt hat.
Warum ? Sie haben etwas gemacht was noch nie jemand vorher machte. Sie haben Sie bewundert ! Sie zerschmilzt wie ein Eiswürfel auf der heißen Herdplatte. Ein Dichter zum anfassen. Das ist ein Unterschied. Für 99,9999 % der Fans von Michael Jackson wird es ein ewiger Traum bleiben, ihm einmal die Hand zu schütteln.
Quelle
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